Pädagogik und Praxis

Was ist Lernen?

Der Neurobiologe Hüther (2016, S. 68f) definiert Lernen als Ausdruck der Lebendigkeit aller existierenden Lebewesen. Alles was lebt lernt und das Lernen endet mit dem Tod. Somit sind die Begriffe Lernen und Leben untrennbar miteinander verbunden. Dabei verdeutlicht er, so wie auch Graf-Neureiter die enge Beziehung von Lernen und die aus einer Lernerfahrung entstehende Freude.

 

 Der Neurodidaktiker Spitzer definiert den Begriff Lernen als ein aktives Geschehen, durch welches sich Vorgänge im Gehirn verändern (vgl. Spitzer, 2002, S. 4).

 

So beschreibt Hüther (2016, S. 24) das menschliche Lernen gebündelt mit folgenden Worten: “Je reicher der Wahrnehmungshorizont, die Denk- und Handlungs- strategien, je tiefgehender und vielfältiger die Beziehungen und je abwechslungsreicher die Erfahrungen im selbstständigen Probieren im Heranwachsen des Kindes sind, desto verflochtener bilden sich Vernetzungsmuster im Gehirn.”

 

Quellenangabe:

Spitzer, M. (2002). Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens. (2. Aufl.) Heidelberg: Spektrum.

Hüther, G. (2016) Mit Freude Lernen - ein Leben lang. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht Verlag

 

DIE LERNINHALTE

 

Die vier Säulen des Lernens gemäß dem Delors Report (The Treasure Within – Learning for the 21st Century – 1996) für die UNESCO stellen das Fundament für die Lerninhalte der Lerngruppe dar:

 

● Lernen, Wissen zu erwerben (Kulturtechniken, Medienkompetenz, Denk- und Urteilsfähigkeit)

 

● Lernen, zu Handeln (Entscheidungs- und Handlungskompetenz)

 

● Lernen, zusammen zu leben (Beziehungsfähigkeit, Gemeinschaftsfähigkeit, Konfliktfähigkeit)

 

● Lernen zu sein (Selbstbewusstsein, Kreativität, Ausdruck, Ganzheitlichkeit)

 

In unseren Lerngruppen eröffnen wir unseren Kindern Erfahrungsräume in welchen sie den unterschiedlichen Lerninhalten natürlich und nativ über Projekte, Alltagstätigkeiten, detaillierten Auseinandersetzungen und logischen fächerübergreifenden Verknüpfungen begegnen, diese vertiefen und verstehen.

 

Dabei werden die österreichischen Lehrpläne für allgemein bildende Schulen , sowie die aktuellen Bildungsstandards für die individuelle Vorbereitung auf die Externistenprüfung als Grundlage verwendet.

 

DIE LERNMETHODEN AM LERNORT

 

Das Lernkonzept der Lerngruppe basiert auf dem Lais-Prinzip entwickelt von Dieter Graf-Neureiter (abgeleitet aus den Forschungen des natürlichen Mentorings), welches das natürliche Lernen mit dem bildenden Lernen und mit der daraus entstehenden praktischen Anwendung verknüpft. Inspiriert sind wir von der ersten Lais-Schule in Klagenfurt www.laisschule.at , wo diese Lernpraxis seit Herbst 2014 als Pionierprojekt erfolgreich (im Sinne von glücklich) angewandt wird.

 

Wichtige Aspekte des Lais-Prinzips sind:

 

● altersgemischte Kleingruppen von 8-10 Kindern

 

Dabei werden die Kinder in Volksschulgruppen und Hauptschulgruppen geteilt.

 

● Die Lernatmosphäre ist charakterisiert durch die Begegnung auf Augenhöhe, in Respekt, Zutrauen und gegenseitiger Achtung.

 

● Jedes Themengebiet wird projekthaft über mehrere Wochen erforscht, und von jedem Kind individuell mit dem eigenen bereits

 

vorhandenen Erfahrungswissen verknüpft und dadurch verstanden.

 

● Die kindliche Lebenswelt spielt eine wichtige Rolle in der natürlichen Auseinandersetzung mit den Lerninhalten.

 

● Vom Großen ins Kleine und vom Kleinen ins Große. Details der gewonnene Lerninhalte können stets einem großen ganzen Bild

 

zugeordnet werden. (Zum Beispiel: “Welchen Platz hat die Zahl 62 im Zahlenfeld 100.00?” )

 

● Die Lernenden erhalten stets die Chance die Lerninhalte über diversen ExpertInnen zu erfahren, auszuprobieren, anzuwenden

 

und nutzen selbstbestimmt unterschiedliche Wissensquellen (Menschen, Bücher, Online-Quellen, usw.) um ein Themengebiet facettenreich zu beleuchten und zu überprüfen. Die Übergabe von Gelerntem, also vom Lernenden zum Lehrenden zu werden, ist ein entscheidender Faktor beim Integrationsprozess von Wissen.

 

● Schaubilder unterstützen die Kinder, das erarbeitete Thema zu synchronisieren, zu überblicken, zu festigen und die Vernetzungen zu anderen Themen wahrzunehmen. Weiters lässt sich für die Lernenden über die Schaubilder die Essenz eines Wissensbereiches leichter herausfiltern.

 

● Erprobte Materialien ( wie von Maria Montessori) unterstützen Kinder Wissen zuerst haptisch, dann symbolisch und schließlich abstrakt zu verknüpfen.

 

● Alltägliche Rituale wie der Morgenkreis, gemeinsames Essen oder abschließende Reflexionsrunden begleiten die Kinder durch den Lernalltag.

 

● Die körperliche Bewegung, künstlerische und musische Tätigkeiten, sowie auch freie Beschäftigungszeiten und Ausflüge sind alltäglicher Teil des Lerngeschehens am Lernort.

 

„Menschen bilden bedeutet nicht, ein Gefäß zu füllen, sondern ein Feuer zu entfachen.“ – Aristophanes